Metropolregion Rhein-Neckar

Überregional

Aufbau mit Nahwärme im Ahrtal

Sinzig, Bad Neuenahr-Ahrweiler, Dernau, Altenahr, Schuld heißen die Orte längs dem Flüsschen Ahr, die von der katastrophalen Hochwasserflut am 14. Juli 2021 besonders schlimm betroffen waren. Beinahe sofort, nachdem die Fluten in diesen Orten große Teile der Infrastruktur zerstört hatten, startete der Wiederaufbau mit einem beispiellosen Maß an Solidarität und freiwilligen Helfern. Ende 2021 funktionierten Gas, Wasser, und Strom weitestgehend wieder. Wie es den Menschen mittlerweile ergeht und welche Mammutaufgaben noch zu stemmen sind, war immer wieder in der Presse zu vernehmen. So reiste im Januar 2022 ein Kamerateam von Fokus TV ins Tal und hielt fest: Der Schutt auf den Straßen ist weggeräumt, doch viele Gebäude sind im Erdgeschoss nach wie vor im Rohzustand. Freiwillige Helfer sind noch immer vor Ort, auch solche mit handwerklichem Know-how. Doch es bräuchte viel, viel mehr kundige helfende Hände, die mit anpacken. Nicht alle zugesagten Gelder von Versicherungsseite und öffentlicher Hand haben ihre Adressaten erreicht. Auf vielen Baustellen ruht die Arbeit.

Die Landesregierung betraute die Energieagentur Rheinland-Pfalz, 2012 ins Leben gerufen als produkt- und anbieterneutrale Plattform, mit dem Wiederaufbau. Diese erhob zunächst das Ausmaß der Schäden, angesichts des nahenden Winters vor allem an den Heizanlagen. Inzwischen wurden nahezu alle Betroffenen, die sich bei der Energieagentur gemeldet haben, wieder mit Wärme versorgt. Als mögliche Übergangslösungen kamen hierfür Luft-Luft-Wärmepumpen, auf Flüssiggas umgerüstete Erdgasheizungen, mobile Blockheizkraftwerke oder auch Einzelöfen zum Einsatz. Langfristig wird der Umstieg auf nachhaltigere Pellet-Heizungen, Wärmepumpen, Nahwärmenetze oder Solarthermie empfohlen. Schließlich wird bundesweit bereits seit dem 1. Januar 2021 auf Öl und Gas ein jährlich wachsender CO2-Aufschlag erhoben. Wärmepumpen sind von dieser CO2-Bepreisung nicht betroffen. Diese neue CO2-Steuer bedeutet für ein Gebäude, das derzeit 2.400 Liter Heizöl pro Jahr benötigt, über die nächsten 20 Jahre schätzungsweise Mehrkosten in Höhe von 9.400 € (brutto): ein starkes Argument für einen sofortigen Umstieg auf ökologische Heiztechnik. Doch bevor ein neues Heizsystem eingebaut werden kann, müssen die Räume vollständig abgetrocknet sein. Auch Keller, Wände und Decken, die saniert werden sollen, müssen vollständig trocken, Putzreste oder verbliebene Bodenbeläge entfernt sein. Die Sanierungsarbeiten im Ahrtal werden also wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Nach dem Abschluss der unmittelbaren Nothilfe Ende 2021 widmet sich die Energieagentur nun dem zukunftsfähigen Gesamtaufbau. So sollen beispielsweise beschädigte Ölheizungen nicht mehr repariert werden. Die Neuerrichtung von Ölheizungen in einem von Hochwasser und Überschwemmungen bedrohten Gebiet ist sowieso nicht mehr gestattet. Nun gilt es, für jeden betroffenen Haushalt, jede Kita oder Schule, jedes Geschäft und jede Firma eine individuell sinnvolle, nachhaltige Wärmelösung zu finden und mit den Betroffenen durchzusprechen. Eine immer beliebtere Lösung ist ein gemeindebasiertes Nahwärmenetz, auch „kaltes Nahwärmenetz“ genannt Anfang März erhielt die Gemeinde Marienthal den ersten Förderbescheid für ihr geplantes Nahwärmenetz im Ahrtal. Umweltministerin Katrin Eder reiste persönlich zur Übergaben an. Weitere sechs Gemeinden stehen mit lokalen Nahwärmenetzen in den Startlöchern. 

Im Fall, dass durch die Zerstörungen ohnehin ein Austausch des Estrichs erfolgen muss, ist auch für private Haushalte zu überlegen, ob eine Fußbodenheizung eingebaut werden kann, die sich über eine Wärmepumpe klimatisieren lässt. Zusammen mit weiteren Maßnahmen wie Dämmung oder dem Austausch alter Fenster durch Energiesparfenster lässt sich so die Basis für eine zukunftsfähige energieeffiziente Wärmeregulierung legen. 

Der Wiederaufbau eines so großen Gebiets ist ein für Deutschland in den letzten Jahren einmalig umfangreiches Sanierungsvorhaben. Dabei hängt viel an einer guten Koordination aller beteiligten Personen und Institutionen. Zu diesem Zweck wurde von der Landesregierung die Einrichtung eines „Zukunftsbüro für Energiewende und kommunalen Klimaschutz im Ahrtal“ bewilligt. Hier sollen alle Fäden zusammenlaufen. Landesregierung, Kommunen, Energieversorgern, THW und andere Akteure können so langfristig Hand in Hand arbeiten. Das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität (MKUEM) fördert den notwendigen Personalbedarf für diese Aufgabe.

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