Metropolregion Rhein-Neckar

Stefanie Seiler

Oberbürgermeisterin Stadt Speyer

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit seiner über 2.000jährigen Geschichte steht die Stadt Speyer allen voran für Historie, für eine wunderbar erhaltene Altstadt, zwei UNESCO-Welterbestätten und die prägende Maximilianstraße, unsere Hauptstraße, die den Kaiserdom mit dem Altpörtel verbindet. Kein Wunder also, dass Denkmalschutz in unserer Stadt ein großes Thema ist, das uns auch bei der städtebaulichen Entwicklung immer wieder begegnet. 

Doch Denkmalschutz und Stadtentwicklung können auch ein ganz anderes Aussehen annehmen, wie der Industriehof Speyer zeigt, der 1897 als Celluloidfabrik Speyer von Kommerzienrat Franz Kirrmeier aus der Taufe gehoben wurde. Der schnelle Erfolg des Produktes Celluliud führte bereits nach wenigen Jahren (um 1906) zu einer erheblichen Vergrößerung des Werks. Mit der Folge, dass das Ensemble aus kleinteiligen und sehr heterogenen Gebäuden unterschiedlicher Zeitepochen Gründerzeit, Artdeco, Jugend- und Heimatstil besteht.  

Die Nachfrage nach Produkten der Celluloidfabrik ging in den 1950er Jahren immer weiter zurück, Celluloid wurde durch Plastik ersetzt, sodass 1968 die Fertigung am Standort Speyer eingestellt und die Maschinen sowie Einrichtungen weitgehend demontiert wurden. 

1971 wurde das Gelände von den Eigentümern der Erbengemeinschaft Ecarius-Kirrmeier in „Industriehof Speyer H.-Ecarius-Kirrmeier-Erben“ umbenannt. Die leerstehenden Fabrikgebäude wurden an Privatleute und Firmen verpachtet. Es entstand eine Mischung aus Gewerbebetrieben, Werkstätten, Musikproberäumen, Kunstateliers sowie Wohnungen. Ein einzigartig kreatives Milieu, welches so in Speyer einmalig ist.  

Mitte 2018 wurde der Industriehof an die Industriehof Speyer GmbH verkauft, die eine Sanierung und Modernisierung des Ensembles anstrebte. Bis heute eines der anspruchsvollsten und interessantesten Städtebauprojekte in unserer Stadt. 

Mit dem Ziel, das kreative Miteinander, die Nutzungsmischung zwischen Handwerk, Handel, Kultur und Wohnen zu erhalten und auszubauen, hat die Industriehof Speyer GmbH zusammen mit den benachbarten Grundstückseigentümern und der Stadt Speyer 2021 einen Planungsprozess eingeleitet und einen städtebaulichen Wettbewerb ausgelobt. 

Wettbewerbsaufgabe war die Erarbeitung eines städtebaulichen Vorentwurfs im Maßstab 1: 500 mit einem freiraumplanerischen Vertiefungsteil. Er beinhaltet die stadtplanerische, die freiraumplanerische und die verkehrliche Konzeptplanung. Aus den acht Bewerbungen, die zur Teilnahme am Wettbewerbe ausgewählt wurden, gingen schließlich im März 2022 Hille Tesch Architekten+Stadtplaner PartGmbB, Ingelheim mit BIERBAUM.AICHELE.landschaftsarchitekten Part.GmbB, Mainz als Sieger hervor. 

Was nun ansteht ist die Entwicklung im Detail, das „Feintuning“ verbunden mit dem erstellten städtebaulichen Rahmenplan als Grundlage für den Bebauungsplan, der den Industriehof nach Fertigstellung dann endlich auch in seinem ganz eigenen Glanz mit seinem ganz eigenen Industriecharme erstrahlen lassen sollen. Ziel ist es, im Herbst 2023 die frühzeitige Beteiligung durchzuführen und den Satzungsbeschluss bis Herbst 2024 zu besiegeln. 

Damit der Industriehof ein Ort bleibt, der auch zukünftig architektonisch überzeugt und zugleich Wohn- und Lebensraum für viele Menschen wird. Ein Ort, der Kunst und Kultur mit Gewerbe und Gastronomie verbindet und hoffentlich zu einem neuen, vielfältigen Treffpunkt für Speyer, aber auch darüber hinaus wird. 

Bereits heute erfindet sich das ehemalige Industriegelände neu. Die Veränderung ist spürbar und diese positive Entwicklung gilt es fortzuführen. Mit der Industriehof Speyer GmbH, den Menschen vor Ort und uns als Stadt. Denn Speyer ist weit mehr als Kaiserdom, SchUM-Stätte und Altstadt, Speyer ist auch Industriedenkmal in Form des Industriehofs Speyer. 

Machen Sie sich selbst ein Bild und schauen Sie gerne vorbei oder informieren Sie sich auf www.industriehof-speyer.de/planungswerkstatt-ihof.  

Ihre 

Stefanie Seiler
Oberbürgermeisterin Stadt Speyer