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Schulsanierung: Ein Gewinn für Bildung und Klima

Die Bereitstellung von modernen Schulen innerhalb von wenigen Jahren und die Schaffung eines Lernumfeldes, das den Anforderungen der Bildung für die Zukunft gerecht wird, lag als Auf-gabe vor dem Kreis Offenbach. Hinzu kamen der Abbau des Sanierungsstaus und damit der Erhalt des kreiseigenen Immobilienvermögens. Im Kreis Offen-bach gab es 90 Schulen mit 450 Gebäuden und etwa 11.000 Räumen. Eine im Auftrag des Kreises erstellte Schätzung des Investitions- und Instandhaltungs-nachholbedarfs zur Erreichung adäquater sicherheitstechnischer und baulicher Standards ergab aus den Jahren 1990 bis 2000 einen Nachholbedarf von rund 200 Mio. Euro. Dieselbe Schätzung kam für die nächsten zehn Jahre auf einen vom Kreis zu tragenden Gesamt-betrag von rund 500 Mio. Euro für Personal-, Gebäude- und Betriebskosten. Bei Investitionsaktivitäten unter Status Quo-Bedingungen hätte der Kreis mindestens 25 Jahre gebraucht, um alle Schulen auf gleiche zukunftsorientierte Qualitätsstandards zu bringen. Um diesen enormen Investitionsstau abzuarbeiten, entschied sich der Kreis Offen-bach für das bis heute deutschlandweit größte PPP-Projekt (Public Private Partnership) im öffentlichen Hochbau mit dem Ziel, den Sanierungszeitraum auf unter zehn Jahre zu verkürzen. Die Prioritäten bei den geplanten Sanierungen lagen bei der Einhaltung technischer Standards im Bereich Sicherheit, Brand-und Unfallschutz, energetische Optimierung der Gebäude, Investitionen in die Sicherheit von Kindern und Lehrkräften, sowie IT-Ausstattungen und Naturwissenschaftsräume.

Fazit nach PPP

Nach Abschluss des baulichen Teils des PPP-Projektes konnte positiv Bilanz ge-zogen werden. Die Erfahrungen mit PPP sind sehr gut – und zwar in jeder Hinsicht, egal ob es die Einhaltung von vertraglichen Details, Nachbesserungs-wünsche der Schulen, die Umsetzung der Sanierungen, Zeitkorridore, die Qualität der Baumaßnahmen oder die alltägliche Zusammenarbeit betrifft. 

Die Entscheidung für PPP im Kreis Offenbach wurde auf Grund von drei aus-schlaggebende Faktoren getroffen: Aufgaben der öffentlichen Hand können teilweise in den privaten Sektor verlagert werden, es gibt einen ganzheitlichen Beschaffungsansatz im Rahmen eines Lebenszyklus-Konzeptes und bei der PPP Variante werden Leistung unter Wettbewerbsbedingungen bereitgestellt. Das bedeutet mehr Effizienz und Kosteneinsparungen für die öffentliche Hand. Ein weiteres Plus der zügigen Sanierung war natürlich auch die damit verbundene energetische Optimierung. 

Seit Oktober 2004 war die Mannheimer SKE Schul-Facility-Management GmbH (SKE SFM), ein Unternehmen der französischen VINCI S.A., Paris, dafür zu-ständig, die 41 Schulgebäude im Westteil des Kreises, dem „Los West“, zu sanieren und danach zu bewirtschaften. Im Januar 2005 übernahm die HOCH-TIEF PPP Schulpartner GmbH & Co. KG, eine Tochtergesellschaft der HOCHTIEF Concessions AG, Essen, die gleiche Auf-gabe im Ostteil des Kreises, dem „Los Ost“, mit 47 Schulen. Inzwischen ist die Sanierungsphase abgeschlossen. „Die modernen, gut ausgestatteten Bildungseinrichtungen“, bilanziert Land-rat Oliver Quilling, „führen nicht nur zu hoher Zufriedenheit bei Schülern, Eltern und Lehrern. Sie stärken unseren Standort. Bildung ist in Deutschland die Ressource der Zukunft. Sie gehört zu den Faktoren, die im globalen Wettbewerb zählen. Wenn wir Bildung und Ausbildung vernachlässigen, beschädigen wir das Fundament unseres Wohlstandes – und deshalb war es an der Zeit, dass wir dieses „Fundament renoviert“ haben.

Angesichts der sich weiter zuspitzenden Finanzlage der öffentlichen Haushalte auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene werde zunehmend diskutiert, wie eine hohe Qualität der Bildungseinrichtungen langfristig gesichert werden kann. Die hierzu erforderlichen Investitionen belaufen sich allein für die Kommunen in den nächsten Jahren auf mehrere hundert Milliarden Euro.„ Vor diesem Hintergrund ist für den Kreis Offenbach festzustellen“, erklärt Baudezernentin Claudia Jäger, dass wir unsere Hausaufgaben erledigt haben.“

Hausaufgaben erledigt

Der Kreis Offenbach kann nach Abschluss des PPP-Projektes und einigen Jahren des Betriebes durch die privaten Partner inzwischen auf ein konkretes Zahlenwerk blicken. Der Kreis hatte insgesamt bei Eigenerledigung 960 Mio. Euro für das Gesamtpaket kalkuliert, die Privaten 780 Mio. Euro, davon für das „Los West“ 459 Mio. Euro (Private: 370 Mio. Euro, davon 92,2 Mio. Euro für die Sanierung) und für das „Los Ost“ 501 Mio. Euro (Private: ca. 410 Mio. Euro davon ca. 130 Mio. Euro für die Sanierung).

Für die Sanierungsmaßnahmen gilt, dass der Kreis hier einen Festpreis zahlt, während andere Bauvorhaben zwischen Projektplanung und Fertigstellung regelmäßig Kostenexplosionen erfahren. Auch Zinserhöhungen treffen den Kreis nicht. Der Zinssatz ist für die Dauer des PPP-Projektes festgeschrieben. Hierbei ist aus Kreissicht außerdem bemerkenswert: Der Vertragsabschluss mit SKE SFM und HOCHTIEF PPP Schulpartner fiel in eine Niedrigzinsphase. Gleichmäßige Zahlungen über 15 Jahre garantieren der Kommune heute Haushaltssicherheit.

Die finanziellen Belastungen aus dem Bewirtschaftungspaket haben sich verändert. Hier war auch von vorneherein eine Preisanpassungsklausel Bestandteil des Vertrages. Die Haupt-ursachen für die gestiegenen Zahlungen an SKE SFM und HOCHTIEF PPP Schulpartner sind die Mehrwertsteuererhöhung und die stetig steigenden Energiepreise. Weitere kostentreibende Faktoren sind höhere Personalkosten sowie eine signifikante Flä-chenmehrung. Außerdem werden die Räume heute länger genutzt, da die Schulen flächendeckend zu Ganztagsschulen entwickelt werden müssen. Dazu einige Zahlen: Seit 2005 hat die bewirtschaftete Fläche um 10 Prozent zugenommen. Die Zahl der Computer in den Schulen stieg von rund 3.000 im Jahr 2005 auf rund 6.860 Computer bis heute. Seit 2005 haben 26 Schulen zudem neue Ganztagsbetreuungsangebote eingerichtet. Darüber hinaus wurden 28 zusätzliche Küchen oder Cafeterias gebaut. Klimapolitischer Handlungsbedarf.

Auch unter klimapolitischen Gesichtspunkten war vor der Entscheidung für die PPP-Maßnahme dringender Handlungsbedarf geboten. Veraltete Haustechniken oder fehlende Dämmungen waren klimapolitisch kaum zu vertreten. Durch den Einsatz moderner Technik gelingt es nun, die Energiebilanz an den sanierten Schulen entscheidend zu verbessern und den Verbrauch von Ressourcen deutlich zu reduzieren. Die neueste Anlagetechnik und so genannte Smartboxen ermöglichen jederzeit einen Überblick über Verbrauchswerte und detaillierte Vergleichsrechnungen. Über das Internet werden online Verbrauchsdaten von Wärme, Strom und Wasser geliefert. Das System lässt eine laufende, zeitnahe Kontrolle aller Verbrauchsdaten zu. Zudem steht der Gesamtlebensverbrauch von Energie im Vordergrund. Statt auf billige Produkte wurde auf langlebige Qualität gesetzt. Energie- und Schad-stoffmanagement wurden unter dem Aspekt der Lebensdauerbetrachtung optimiert. Schon in den ersten Jahren der Schulsanierung war es möglich, den Energieverbrauch drastisch zu reduzieren und Kosten für Wasser, Strom und Heizenergie erheblich zu senken. So konnte die SKE SFM den Verbrauch bei der Heizenergie witterungsbedingt senken. Und das obwohl die beheizte Fläche um rund 10 Prozent zugenommen hat. 

HOCHTIEF PPP Schulpartner konnten ebenfalls den Heizenergieverbrauch seit 2004 um nahezu 33 Prozent von 33.600 auf 22.600 mWh senken, obwohl sich auch im „Los Ost“ die zu beheizende Fläche vergrößert hat. Durch den Einsatz von Näherungsautomatiken, Selbstschlussarmaturen und Durchflussmengen-Begrenzer gelang es zudem, den Wasserverbrauch um 26,5 Prozent reduzieren.

49.000 m² Fassadensanierung

Was sich heute so einfach anhört, war eine bauliche Mammutaufgabe. Alleine das „Los Ost“ umfasste 282 Gebäude mit einer Fläche von rund 258.000 m², die in knapp fünf Jahren von HOCHTIEF PPP Schulpartner saniert wurden. Nach nur drei Jahren Bauzeit waren die aktuellen Standards im Bereich Brandschutz bereits komplett erfüllt. Rund 41.000 m² Dachfläche, 49.000 m² Fassade und 23.000 m² Fenster wurden insgesamt saniert. Rund 215.000 m² Wandfläche erhielten einen neuen Farbanstrich. Mehr als die Hälfte aller Auftragsvergaben im Bereich Sanierung ging an Unternehmen aus dem Kreis Offenbach oder blieb in unmittelbarer Kreisnähe. Jede Schule wird weiterhin von einem Hausmeister betreut.

 

Bereits vorhandenes Personal vom Kreis Offenbach nahm das Vertragsangebot des privaten Partners an. Dazu wurde zwischen HOCHTIEF PPP Schulpartner und der IG BAU ein Haustarifvertrag geschlossen.

„Mit der PPP-Sanierung“, erklären Landrat Oliver Quilling und Erste Kreis-beigeordnete Claudia Jäger, „konnte der Kreis Offenbach die größte energiepolitische Maßnahme, die auf Kreisebene tatsächlich möglich ist, umsetzen. Damit haben wir nicht nur einen Beitrag zum Ausbau unseres Bildungsstandortes sondern auch zum Klimaschutz geleistet.“

Kreis Offenbach

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