Metropolregion Rhein-Neckar

Manuel Just

Oberbürgermeister Stadt Weinheim

Gutes Bauen für gute Bildung

Gutes Bauen gewinnt in und für die Kommunen in der Zukunft eine besondere Bedeutung. Was aber heißt das? Gutes Bauen? Für die Leserinnen und Leser des Magazins „Treffpunkt Architektur“ in der Metropolregion Rhein-Neckar haben wir ein gutes Beispiel aus Weinheim aufbereitet. Vor nicht allzu langer Zeit haben wir eine neue Schule gebaut und eingeweiht. Sie heißt „Zweiburgenschule“ und erinnert damit an unsere beiden Wahrzeichen: die beiden Burgen Windeck und Wachenburg. Zweifelsohne sind diese historischen Denkmäler Symbole für gutes Bauen. 

In der Zweiburgenschule sind zwei Schulen unter einem Dach zusammengerückt: eine Grundschule und eine Schule für Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf. Dort wird auch inklusiv unterrichtet. Die Idee, das Projekt und die Planung wurden in einem Moderationsprozess entwickelt, ruht also auf einer breiten kommunalgesellschaftlichen Basis. 

Die Architektur ist hier dem Auftrag gefolgt, dem Bildungsauftrag. Klar war von Anfang an: es sollte eine Schule ohne Barrieren sein. Ohne technische sowieso, aber auch ohne jene, die in den Köpfen aufgebaut werden. Eine Schule für alle, in der alle voneinander lernen können. Viele gemeinschaftlich genutzte Flächen sind entstanden, Orte der Begegnung. Eine Schule des Respekts und der Achtsamkeit. Wir sind sehr stolz auf dieses Projekt, zu dem auch eine Dreifeld-Sporthalle gehört, die nach der früheren Weinheimer Fußballerin Heidi Mohr benannt ist. Diese Halle steht auch den Weinheimer Vereinen zur Verfügung. 

So ist das Bauen in unseren Kommunen immer mit einem Auftrag verbunden. Im vergangenen Jahr haben wir an unserem westlichen Stadteingang, an der Mannheimer Straße städtische Mietshäuser saniert, die rund 100 Jahre alt sind. Sie wurden schön und modern, aber auch einfach und möglichst günstig hergestellt, denn wir brauchen bezahlbaren Wohnraum für die soziale Mischung in unseren Städten – gerade an der Bergstraße, wo das Bauland teuer ist. Die Stadt tritt dort als Vermieter auf, um die Preis im Griff zu behalten. 

Dazu passt auch ein Beschluss unseres Gemeinderates, für den ich sehr dankbar bin. Bei größeren Wohnungsbauinvestitionen werden die Bauherren über die Bauleitplanung dazu verpflichtet, mindestens zehn Prozent Sozialwohnungen zu bauen, weitere zehn Prozent mit einem „sozial-gedämpften“ Preis. In einem Fall, im Baugebiet Allmendäcker, in dem die Grundstücke der Stadt gehören, verzichten wir sogar auf rund fünf Millionen Grundstückserlöse, um dies auch wirtschaftlich darstellbar zu machen. Das ist Bauen im sozialen Kontext einer Stadt. 

Grundsätzlich müssen wir uns als Kommune derzeit immer im Spannungsfeld zwischen der Schaffung von dringend benötigter Wohn- und Gewerbefläche und einem möglichst geringen Flächenverbrauch bewegen. Das ist oft eine Gratwanderung und eine Sache der Abwägung. So haben wir die klare Linie: Innen- vor Außenverdichtung! Mit etlichen Baugebieten auf ehemals gewerblich oder sogar industriell genutzten Arealen hat Weinheim hier schon vor Jahren nachhaltig geplant, nachdem die Firma Freudenberg in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr Produktionen in ihren Industriepark vor die Tore der Stadt verlegt hat. Wo früher Fabriken standen, sind attraktive Wohngebiete entstanden. Das ist Bauen im ökologischen Kontext einer Stadt. 

Und genauso sieht es natürlich mit Sanierungen und Umbauten aus, die heute zwingend eine energetische Ausrichtung haben müssen. Aktuell planen wir die Sanierung der Turnhalle unseres Schulzentrums. Entgegen einer ersten Planung und Kostenschätzung von sechs Millionen Euro, haben wir nun – ebenfalls mit Rückenwind aus dem politischen Gremium – alle klimaschutzrelevanten Maßnahmen eingepreist: Vom Solardach über die Dämmung, über Beleuchtung und Belüftung bis hin zur Wärmepumpe im Heizungssystem. Herausgekommen sind nun über neun Millionen Euro, aber anders schaffen wir den Weg zur klimaneutralen Verwaltung bis zum Jahr 2035 nicht. Und das ist nicht verhandelbar. 

Gutes Bauen für eine gute Stadtgesellschaft ist für die Zukunft unerlässlich, sozial und ökologisch. In diesem Sinne wünsche ich eine wertvolle Lektüre dieses Magazins. Sie sind herzlich eingeladen, Weinheim zu besuchen, um sich vor Ort selbst ein Bild zu machen!

Manuel Just
Oberbürgermeister Stadt Weinheim