Metropolregion Rhein-Neckar

Wörth am Rhein

Innovative Kindertagesstätte und prämierte Kulturhalle

Im Zeitraum Oktober 2019 bis Oktober 2021 wurde der Neubau der Abtswald-Kindertagesstätte im Ortsbezirk Wörth errichtet. Die Abtswald-Kindertagesstätte war bereits der zweite Neubau in der Stadt Wörth innerhalb von zwei Jahren mit dem Architekturbüro Hort + Hensel aus Kaiserslautern. 

Nach Fertigstellung der 6-gruppigen Louise-Scheppler-Kindertagesstätte im Jahr 2018 entschied man sich für die baugleiche Konzeption des Gebäudes und konnte von Einsparungen bei den Planungskosten und einer optimierten Gebäudeplanung profitieren.

Die 4-gruppige Abtswald-Kita bietet Platz für 90 Kinder im Alter von 1-6 Jahren. Das Grundstück liegt im Süden des Neubaugebiet „Abtswald Teil C“ an der Ecke Paul-Klee-Ring/Kandinsky-Straße, die als Anliegerstraßen des Neubaugebietes konzipiert sind. 

Das Gebäude wurde in Niedrigenergiebauweise erstellt und als nicht unterkellerter zweigeschossiger Baukörper in Mauerwerksbauweise mit außenliegender Mineralfaserdämmung ausgeführt. Das Gebäude ist barrierefrei konzipiert und verfügt über einen Aufzug. Das hoch wärmegedämmte, flach geneigte Pultdach erhielt eine Alu-Stehfalzdeckung mit Photovoltaikanlage zur eigenen Stromversorgung. Vor der Hauptfassade vorgelagert sowie thermisch getrennt befindet sich eine Stahlkonstruktion als (Flucht-)Balkon mit Außentreppe und Verschattungselementen. 

Die Räumlichkeiten sind konzipiert für die Bedürfnisse einer modernen, zeitgemäßen Kindertagesstätte mit den notwendigen Funktionsräumen und Rückzugsmöglichkeiten sowie für eine Kita-eigene Frischküche zur Essensversorgung der Kinder. Dennoch lässt sich das Gebäude durch kleine baukonstruktive Eingriffe zu einer Senioren- und Pflegeeinrichtung umnutzen. Damit wurde das Bauprojekt über den größtmöglichen Nutzungszeitraum betrachtet und trifft Vorsorge für sich demographisch ändernde Stadtgebiete. 

Für die Energieversorgung wurde eine Elektrisch betriebene Luft/Wasserwärmepumpe gewählt, die die gesamte Wärmebedarfsanforderung aus Fußbodenheizung und zentraler raumlufttechnischer Anlage abdeckt. Weiterhin wurde eine Lüftungsanlage mit rund 70 % Wärmerückgewinnung eingebaut. Die Warmwasserbereitung erfolgt dezentral über Elektrodurchlauferhitzer.

Die beiden Themen LED-Beleuchtung und Gebäudeautomation sind wesentliche Bausteine, mit deren Realisierung sich eine effiziente Energieeinsparung umsetzen lässt. Durch die Gebäudeautomation werden sowohl in den Bereich Elektrotechnik als auch im Bereich der Mess-, Steuer- und Regeltechnik für Heizung und Lüftung durch eine intelligente Steuerung und Überwachung Energieeinsparungen und Optimierungen erzielt. 

Wörth am Rhein ist eine verbandsfreie Einheitsgemeinde im Landkreis Germersheim mit knapp 18.000 Einwohnern. Die Bevölkerung verteilt sich auf vier Ortsbezirke, die teilweise weit auseinander liegen. Dies führt zu der städtebaulichen Herausforderung, dass viele Funktionen mehrfach vorgehalten werden müssen, selbst wenn ein Gebäude nur einem verhältnismäßig kleinen Nutzerkreis dient. Hier sind wirtschaftliche Lösungen gesucht, die gleichzeitig auch bei den Themen Energiewende, Klimaschutz und Nachhaltigkeit den selbst gestellten Anforderungen entsprechen.

Die im Oktober 2020 fertiggestellte Kulturhalle im Ortsbezirk Schaidt (rund 1.800 Einwohner) wurde ein Jahr darauf bei der Verleihung des BDA-Architekturpreises (Landesverband Rheinland-Pfalz) ausgezeichnet. Einer von drei Preisen ging an die Bauherrin Stadt Wörth am Rhein und das Kaiserslauterer Büro AV1 Architekten. In der Begründung der Jury heißt es: „Kunstfertig gelingt es den Architekten, Konstruktion, Schönheit und Funktion in diesem markanten Gebäude zu einer Architektur zu verbinden, die durch ihre sorgfältige Fügung der Bauteile und die hochwertige Durcharbeitung in Material und Detail besticht.“

Kulturhalle Schaidt

Der Neubau der Kulturhalle im Süden des Ortsbezirks, verortet im Sportzentrum, hat die im Jahr 1960 als Schulturnhalle erbaute und 1978 sanierte Halle im Ortszentrum ersetzt, die nicht mehr den Anforderungen an eine Mehrzweckhalle entsprach. Durch Einbindung in die vorhandene Infrastruktur im Bereich des Sportgeländes, wo sich Sportplätze, Sportanlagen und Sporthalle befinden, erfolgte die Schaffung einer nutzbaren Freifläche vor der Kulturhalle und einer Terrasse zum südlich angrenzenden Waldrand.

Die Kulturhalle stärkt als kultureller Spiel- und Veranstaltungsort den ländlichen Raum und dient den zahlreichen Vereinen und den Veranstaltern des Ortsbezirks Schaidt zur Pflege und Förderung ihrer sozialen und kulturellen Bedürfnisse. Die Kulturhalle wird gleichermaßen für kulturelle Veranstaltungen, Konzerte, Empfänge und Feierlichkeiten, Musikaufführungen und Tanz, Theatervorführungen und Versammlungen genutzt. Besonderen Wert wurde auf Multifunktionalität, Nachhaltigkeit, natürliche Materialien, Wirtschaftlichkeit, geringe Unterhaltskosten, Energieeffizienz, zukunftsorientierte Ausstattung und Technik gelegt.

Intensiv begleitet wurde der Planungsprozess durch Mitglieder des Ortsbeirats Schaidt. So wurde sichergestellt, dass alle Aspekte der Nutzer in die Planung eingeflossen sind, damit die Kulturhalle einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben, als Ort der Begegnung und des Austauschs leisten kann.

Die Kulturhalle ist als Multifunktionshalle mit einem barrierefreien Zugang konzipiert. Das Gebäude ist eingeschossig, mit einem überhöhten Teil, der Veranstaltungssaal und Bühne aufnimmt sowie die notwendigen Nebenräume für Besucher und Künstler und Lager. In der oberen Ebene ist ein Teil der Technikräume untergebracht. Der im westlichen Gebäudetrakt angeordnete Küchenbereich wurde mit den für Catering-Service notwendigen Räumen geplant. Das Gebäude bietet bei Veranstaltungen etwa 330 Personen bei Bestuhlung an Tischen Platz. Das Foyer funktioniert autark für kleinere Veranstaltungen und ist als mögliche Erweiterung für größere Veranstaltungen nutzbar. Es ist in der Längsseite dem Saal vorgelagert und ebenso hoch wie dieser. Glastüren und Festverglasungen sorgen dafür, dass man schon von außen in den Saal und durch ihn hindurch in den sich an die Halle angrenzenden Wald schauen kann.

Die Konstruktion besteht aus Fichtenleimholz mit Holzstützen und -trägern, die im Innern sichtbar sind, die Felder dazwischen sind mit Holzpaneelen geschlossen. Außen schafft eine vorgelagerte großzügige Loggia einen überdachten Vorbereich. Die Vorhalle empfängt die Besucher und öffnet das Gebäude mit einer transparenten Fassade zum Foyer. Durchblicke vom Saal zur Terrasse und zum Waldraum und Holz als nachhaltiger Werkstoff bewirken eine warme, freundliche Atmosphäre im Innenraum und schaffen eine Verbindung des Bauwerks mit dem angrenzenden Bienwald. Die dreigeteilte Fassade ist aus lasierter Lärchenholzleisten. Der Servicebereich wurde als Massivbau in Mauerwerk ausgeführt, 20 Zentimeter Wärmedämmung und eine Wärmepumpe sorgen dafür, dass die Energiebilanz stimmt.

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