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Überregional

„Footprint“ Architektur ist erst der Anfang

Ein „Footprint“, 1994 von Mathis Wackernagel und William Rees als „ökologischer Fußabdruck“ definiert, bezieht sich ursprünglich auf Menschen. Pro Kopf wird ein spezifischer Verbrauch an Fläche der Erde ermittelt. Die Schlussfolgerung lautet, die Ressourcen der Erde möglichst zu schonen und so diesen ökologischen „Fußabdruck“ allmählich zu verringern. Im Fall von Gebäuden muss der Footprint über den gesamten Lebenszyklus betrachtet werden, auch wenn Material- und Ressourcenaufwendungen für Baumaßnahmen einen Löwenanteil ausmachen. International wird an der Normierung ökologischer Baustandards gearbeitet, etwa mit ISO/TV 59/SC 17 „Nachhaltiges Bauen“ oder CEN/TC 350 „Nachhaltigkeit von Gebäuden“. Ein geringer Energieverbrauch, recyclingfähige Baustoffe, Möglichkeiten zur Nachnutzung, die Minimierung von Transportkosten durch Nutzung regionaler Ressourcen, die Schonung natürlicher Lebensräume durch Verzicht auf Flächenversiegelung oder flächensparendes Bauen spielen dabei wichtige Rollen.

Vor allem britische Architekten haben sich der Aufgabe verschrieben, in Modellsiedlungen zu zeigen, wie sich mit niedrigem Footprint leben lässt. Das prämierte Wohn- und Büroprojekt BedZED in Beddington im Süden Londons beruht auf den Berechnungen des Architekten Bill Dunster. Bed steht für den Standort, ZED für zero (fossil) energy development. Neben der Dämmung und Heizung ist auch die Integration von Wohnen und Arbeiten bis hin zur lokalen Versorgung mit Lebensmitteln entscheidend. Die gut isolierten Gebäude benötigen nur noch ein Minimum an Energie, bevorzugt aus heimischer Biomasse (Holzabfällen). Innerhalb der Siedlung sollen möglichst viele Jobs für Bewohner zur Verfügung stehen, um den Weg zur Arbeit kurz zu halten. Die dreistöckige Anlage umfasst 100 Wohneinheiten sowie Büros: eine ressourcenschonende, aber eben auch bezahlbare Pilotanlage mit viel Glas, Farbe – und Grasdächern. Dachreiter sorgen dafür, dass frische Luft ins Innere gelangt. Verbrauchte Luft wird durch sie wieder abgeführt. Damit die Wärme der Abluft nicht verloren geht, wird sie mittels Wärmetauscher auf die einströmende Luft übertragen. Hierfür nutzen die Dachreiter Windenergie. Wer hier in jeder Hinsicht umweltbewusst lebt, kann laut Dunster einen Footprint von nur 2,1 globalen Hektar erreichen. Eine ökologische Bauweise nach solchen Standards bedeutet zunächst hohe Baukosten, verspricht auf lange Sicht aber niedrigere Betriebskosten. Falls im Jahr 2050 neun Milliarden Menschen oder mehr auf der Erde leben, würde das durchschnittliche Naturbudget nur noch 1,2 globale Hektar pro Person betragen. BedZED geht in die richtige Richtung, ist aber noch weit von diesem Wert entfernt. Bauherrin war die Peabody Group, die mit dem WWF das „One Planet Living“ entwickelte.

Im Experimentierstadium sind derzeit auch weitere Eco-Cities unter den Vorgaben Null Kohlenstoff, Null Abfall, nachhaltige Mobilität und Priorität lokaler Materialien. Nach diesen Prinzipien von „One Planet Living“ wurde 2015 auch Masdar City (VAE) vom Stararchitekt Norman Foster geplant. Die grüne Stadt in der Wüste ist auf sechs Quadratkilometern ein Vorzeigeprojekt für 50 000 Einwohner, autofrei und fußgängerfreundlich. Die Kühlung erfolgt durch Solarenergie, Trinkwasser kommt aus einer solar betriebenen Entsalzungsanlage. Grünflächen werden mit Brauchwasser versorgt. Die Dächer sind mit Solaranlagen ausgestattet. Die Stadt soll genug Energie für die Eigenversorgung erzeugen. Doch die grüne Realität ist auch hier schwierig. Die nahe Hauptstadt der VAE, Abu Dhabi, ist so energiehungrig, dass nun ein neues Atomkraftwerk den Zusatzbedarf decken muss.

Eco-Cities stellen kein Utopia dar. Sie zeigen exemplarisch, wie es geht. Die Bewohner*innen werden täglich mit der Endlichkeit der Ressourcen konfrontiert. Optimierungsbedarf besteht natürlich weiterhin. Damit müssen die bestehenden weltweiten Modellsiedlungen durchaus als gangbare Wegmarken anerkannt werden.

BedZED, Masdar Co.

 

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